Der germanische Jahreskreis
Der germanische Jahreskreis beschreibt den Zyklus der Feste und Feiertage, die unsere Vorfahren im Einklang mit den Rhythmen der Natur begingen. Die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen bildeten dabei die Hauptachsen des Jahres, ergänzt durch weitere bedeutsame Feste.
Die acht Feste des Jahreskreises
Der traditionelle germanische Kalender orientierte sich am Lauf der Sonne und des Mondes. Die wichtigsten Feste markieren astronomische Wendepunkte und landwirtschaftliche Übergänge:
Julfest
21. Dezember - Wintersonnenwende. Das bedeutendste germanische Fest feiert die Wiedergeburt des Lichts in der längsten Nacht.
Ostara
21. März - Frühjahrs-Tagundnachtgleiche. Fest des Neubeginns, der Fruchtbarkeit und des erwachenden Lebens.
Sommersonnenwende
21. Juni - Der längste Tag des Jahres. Fest der Fülle und des Lichts, traditionell mit Sonnwendfeuern begangen.
Wintersonnenwende
21. Dezember - Die Nacht der Wende. Der Moment, in dem das Licht zurückkehrt und die Tage wieder länger werden.
Die Sonnenwenden
Die Sonnenwenden (Solstitien) markieren die extremen Punkte im Sonnenlauf - den kürzesten und den längsten Tag des Jahres. Für die germanischen Völker waren diese Wendepunkte von tiefgreifender spiritueller Bedeutung.
Wintersonnenwende und Julfest
Die Wintersonnenwende am 21. Dezember ist der dunkelste Tag des Jahres. Doch in dieser Dunkelheit liegt die Verheißung des wiederkehrenden Lichts. Das Julfest feierte diese kosmische Wende über zwölf Nächte - die sogenannten Rauhnächte.
Viele Bräuche des Julfestes leben bis heute fort: der geschmückte Baum, das Verbrennen des Julblocks, das Aufhängen von Mistelzweigen und der Austausch von Geschenken.
Sommersonnenwende
Die Sommersonnenwende am 21. Juni markiert den Höhepunkt des Lichts. Die Sonne erreicht ihren höchsten Stand, der Tag ist am längsten. Traditionell wurden Sonnwendfeuer entzündet, um die Kraft der Sonne zu ehren.
Die Tagundnachtgleichen
Zweimal im Jahr sind Tag und Nacht exakt gleich lang - im Frühling und im Herbst. Diese Momente des kosmischen Gleichgewichts wurden als Übergangspunkte gefeiert.
Ostara - Frühlingsäquinoktium
Ostara um den 21. März markiert den Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Der Frühling beginnt, das Leben erwacht. Die Göttin Ostara steht für Fruchtbarkeit und Neubeginn. Hasen und Eier als Fruchtbarkeitssymbole gehören zu diesem Fest.
Herbst-Tagundnachtgleiche
Um den 21. September wird das Erntedankfest gefeiert. Die Früchte der Erde sind eingebracht, bevor der Winter naht. Tag und Nacht sind im Gleichgewicht, dann beginnt die dunkle Jahreshälfte.
Die germanischen Monatsnamen
Auch die Namen der Monate spiegeln den Rhythmus des Jahres wider:
- Hartung (Januar) - Der harte, eisige Monat
- Hornung (Februar) - Monat des Hornabwurfs beim Wild
- Lenzing (März) - Der Monat des Frühlings (Lenz)
- Ostermond (April) - Monat der Ostara
- Wonnemond (Mai) - Monat der Wonne und Freude
- Brachet (Juni) - Monat der Brache
- Heuert (Juli) - Monat der Heuernte
- Ernting (August) - Erntemonat
- Scheiding (September) - Monat des Scheidens (Sommer/Herbst)
- Gilbhart (Oktober) - Monat des gilbenden (gelben) Laubs
- Nebelung (November) - Monat des Nebels
- Julmond (Dezember) - Monat des Julfestes
Ausführliche Informationen zu allen Monatsnamen finden sich im Artikel Germanische Monatsnamen.
Bedeutung für heute
Der germanische Jahreskreis bietet eine Möglichkeit, das Jahr bewusst zu erleben und sich mit den natürlichen Rhythmen zu verbinden. Viele Menschen entdecken diese alten Traditionen neu und finden darin eine sinnvolle Struktur für ihr Jahr.
Alle Artikel zum Jahreskreis
Das Julfest
Das wichtigste Fest der Germanen zur Wintersonnenwende.
Ostara
Frühlingsfest und Ursprung des Osterfestes.
Sommersonnenwende
Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres.
Wintersonnenwende
Die kosmische Wende - Rückkehr des Lichts.
Germanische Monatsnamen
Von Hartung bis Julmond - die alten deutschen Monatsnamen.