Die germanischen Monatsnamen
Die germanischen Monatsnamen spiegeln das Leben der Menschen im Rhythmus der Natur wider. Anders als die römischen Namen, die Götter und Kaiser ehren, beschreiben die deutschen Bezeichnungen Naturereignisse, landwirtschaftliche Tätigkeiten und jahreszeitliche Besonderheiten.
Übersicht aller Monatsnamen
| Monat | Germanischer Name | Bedeutung |
|---|---|---|
| Januar | Hartung | Der harte, gefrorene Monat |
| Februar | Hornung | Zeit des Hornabwurfs beim Rotwild |
| März | Lenzing | Die Tage werden länger (Lenz) |
| April | Ostermond | Monat des Ostara-Festes |
| Mai | Wonnemond | Monat der Wonne und Freude |
| Juni | Brachet | Zeit der Brache (Feldbearbeitung) |
| Juli | Heuert | Heuernte |
| August | Ernting | Haupterntemonat |
| September | Scheiding | Scheiden von Sommer und Herbst |
| Oktober | Gilbhart | Die Blätter werden gelb (gilb) |
| November | Nebelung | Nebelreicher Monat |
| Dezember | Julmond | Monat des Julfestes |
Die Wintermonate
Hartung (Januar)
Der Name Hartung bezieht sich auf die Härte des Winters - gefrorene Böden, Eis und Kälte prägen diesen Monat. In manchen Regionen hieß er auch "Eismond" oder "Schneemonat". Es ist die stillste Zeit des Jahres, in der das Land unter einer Decke aus Schnee und Frost ruht.
Hornung (Februar)
Der Hornung hat seinen Namen vom Geweihwechsel des Rotwilds: Im Februar werfen die Hirsche ihr Geweih ab. Der Name könnte auch auf "Horn" im Sinne von "Ecke" oder "Winkel" verweisen - der Februar ist der "Eckmonat" des Winters, an dessen Ende das Frühjahr beginnt.
Die Frühjahrsmonate
Lenzing (März)
Im Lenzing werden die Tage spürbar länger. Das althochdeutsche "lenzo" bedeutet "Frühling" und hängt mit "lang" zusammen. Die Tag-und-Nacht-Gleiche fällt in diesen Monat, ab der die Tage länger sind als die Nächte.
Ostermond (April)
Der Ostermond ist nach dem Ostara-Fest benannt, das die Frühlings-Tagundnachtgleiche feiert. Die Göttin Ostara (althochdeutsch: Ēastre) gab auch dem christlichen Osterfest seinen Namen. Es ist die Zeit des Neubeginns und der Fruchtbarkeit.
Wonnemond (Mai)
Der Wonnemond ist der Monat der Wonne - die Natur steht in voller Blüte, das Vieh kann wieder auf die Weide. "Wonne" (althochdeutsch "wunni") bedeutete ursprünglich "Weide" im Sinne von Weideland. Die Freude über das saftige Grün gab dem Monat seinen Namen.
Die Sommermonate
Brachet (Juni)
Der Brachet ist der Monat der Brache. In der Dreifelderwirtschaft wurde ein Feld jährlich brachliegen gelassen. Im Juni wurde dieses Brachfeld umgepflügt, um es für die nächste Aussaat vorzubereiten. Die Sommersonnenwende fällt in diesen Monat.
Heuert (Juli)
Im Heuert wird das Heu eingebracht - die erste große Ernte des Jahres. Das gemähte Gras muss getrocknet und in Scheunen gebracht werden, bevor der nächste Regen fällt. Eine arbeitsreiche Zeit für die Bauern.
Ernting (August)
Der Ernting ist der Haupterntemonat. Getreide, Obst und Gemüse werden eingebracht. Der Name ist eindeutig: Es ist die Zeit des Erntens, der Fülle und des Dankes für die Gaben der Erde.
Die Herbstmonate
Scheiding (September)
Im Scheiding scheidet sich der Sommer vom Herbst. Die Herbst-Tagundnachtgleiche markiert diese Zeitenwende. Die Erntearbeiten gehen zu Ende, die Tage werden kürzer, und die Natur bereitet sich auf den Winter vor.
Gilbhart (Oktober)
Der Gilbhart (auch: Gilbhard) zeigt das Vergilben der Blätter an. "Gilb" kommt von "gelb" - das Laub färbt sich golden und rot. "Hart" könnte auf die beginnende Kälte hinweisen oder im Sinne von "Wald" verstanden werden (vgl. Spessart, Haardt).
Nebelung (November)
Der Nebelung ist der Nebelmonat - dichte Nebel liegen über den Feldern und in den Tälern. Die dunkle Jahreszeit hat begonnen. In der germanischen Vorstellung war dies auch die Zeit, in der die Schleier zwischen den Welten dünn werden.
Julmond (Dezember)
Der Julmond ist nach dem Julfest benannt, dem wichtigsten Fest der germanischen Wintersonnenwende. "Jul" (altnordisch: jól) bezeichnet das Mittwinterfest, dessen genaue Etymologie umstritten ist - möglicherweise hängt es mit "Rad" zusammen, als Symbol des wiederkehrenden Jahreskreises.
Herkunft und Geschichte
Die germanischen Monatsnamen sind keine Erfindung der Romantik, sondern haben alte Wurzeln. Bereits Karl der Große ließ um 800 n. Chr. die fränkischen Monatsnamen aufzeichnen:
- Wintarmanoth (Wintermonat)
- Hornung
- Lentzinmanoth
- Ostarmanoth
- Winnemanoth
- Brachmanoth
- Heuvimanoth
- Aranmanoth (Ährenmonat)
- Witumanoth (Holzmonat)
- Windumemanoth (Weinlesemonat)
- Herbistmanoth
- Heilagmanoth (Heiliger Monat)
Die heute gebräuchlichen Namen sind eine Mischung aus verschiedenen Dialekten und Epochen, die im 19. Jahrhundert systematisiert wurden.
Verwendung im Kalender
Die germanischen Monatsnamen werden heute vor allem in heidnischen und naturspirituellen Kreisen verwendet. Auf dieser Website zeigt das Kalender-Widget in der Seitenleiste das aktuelle Datum mit den alten Monatsnamen an.
Die Jahreszahl wird dabei oft mit +1800 angegeben, basierend auf einer Zeitrechnung, die mit dem Ende der letzten Eiszeit beginnt - ein Verweis auf die tiefe Verbindung der germanischen Kultur mit dem Land und seinen Zyklen.
Verbindung zum Jahreskreis
Die Monatsnamen stehen in direktem Zusammenhang mit den Festen des Jahreskreises: