Mythologische Tiere der nordischen Welt
Die nordische Mythologie ist bevölkert von Tieren, die mehr sind als gewöhnliche Kreaturen. Sie sind Begleiter der Götter, Träger kosmischer Bedeutung und Verkörperungen von Naturkräften. Diese Übersicht stellt die wichtigsten mythologischen Tiere vor.
Odins Begleiter
Hugin und Munin - Die Raben
Odins zwei Raben heißen Hugin ("Gedanke") und Munin ("Erinnerung"). Jeden Morgen fliegen sie über die Welt und kehren am Abend zurück, um dem Allvater zu berichten, was sie gesehen haben. Odin sorgt sich, dass sie eines Tages nicht zurückkehren - besonders um Munin, die Erinnerung.
Geri und Freki - Die Wölfe
Zwei Wölfe, Geri und Freki (beide Namen bedeuten "der Gierige"), liegen zu Odins Füßen. Der Allvater gibt ihnen sein gesamtes Essen, da er selbst nur Met trinkt. Sie verkörpern die kriegerische Seite Odins.
Sleipnir - Das achtbeinige Pferd
Sleipnir ist das schnellste aller Pferde, mit acht Beinen, die es durch alle Welten tragen können. Es ist das Kind Lokis (in Stutengestalt) und des Hengstes Svadilfari. Odin reitet Sleipnir auch nach Hel und bei Ragnarök.
Tiere am Weltenbaum
Niddhöggr - Der Drache
Der Drache Niddhöggr ("der hasserfüllt Schlagende") nagt an den Wurzeln Yggdrasils. Er verkörpert die Kräfte der Zerstörung, die ständig an der Weltordnung arbeiten. Neben ihm leben unzählige Schlangen.
Ratatöskr - Das Eichhörnchen
Das Eichhörnchen Ratatöskr ("Bohrzahn") läuft den Stamm Yggdrasils auf und ab. Es trägt gehässige Worte zwischen dem Adler in der Krone und Niddhöggr an den Wurzeln hin und her und schürt so den Streit zwischen beiden.
Der namenlose Adler
Auf dem höchsten Wipfel Yggdrasils sitzt ein weiser Adler, der über die Welt blickt. Zwischen seinen Augen hockt der Habicht Vedrfölnir. Der Adler symbolisiert Übersicht und Weisheit.
Die vier Hirsche
Vier Hirsche - Dáinn, Dvalinn, Duneyrr und Duraþrór - weiden in den Zweigen Yggdrasils und fressen die Knospen. Ihre Namen deuten auf Zwerge hin.
Thors Tiere
Tanngrisnir und Tanngnjóstr - Die Böcke
Thors Wagen wird von zwei Ziegenböcken gezogen: Tanngrisnir ("Zähneknirschender") und Tanngnjóstr ("Zähneknirscher"). Thor kann sie abends schlachten und essen; wenn er die Knochen unbeschädigt auf die Felle legt, stehen sie am nächsten Morgen wieder auf.
Freyrs Tiere
Gullinbursti - Der goldene Eber
Freyrs goldener Eber wurde von Zwergen geschmiedet. Seine Borsten leuchten so hell, dass er selbst die dunkelste Nacht erhellt. Er kann über Wasser und durch die Luft laufen, schneller als jedes Pferd.
Freyas Tiere
Die Katzen
Freyas Wagen wird von zwei großen Katzen gezogen - ob Waldkatzen oder Luchse, ist umstritten. Katzen galten als Tiere der Fruchtbarkeit und des häuslichen Wohlstands.
Kosmische Tiere
Fenrir - Der Riesenwolf
Fenrir ist der gewaltige Wolf, Sohn Lokis, der von den Göttern gefesselt wurde. Bei Ragnarök wird er seine Fesseln sprengen und Odin verschlingen.
Jörmungandr - Die Midgardschlange
Die Midgardschlange umschlingt die gesamte Menschenwelt und beißt sich in den eigenen Schwanz. Bei Ragnarök wird sie sich mit Thor einen tödlichen Kampf liefern.
Skalli und Hati - Die Himmelswölfe
Skalli und Hati jagen Sonne und Mond über den Himmel. Bei Ragnarök werden sie ihre Beute erreichen und verschlingen.
Weitere bedeutende Tiere
Heidrun - Die Met-Ziege
Die Ziege Heidrun steht auf dem Dach Walhallas und frisst von den Zweigen des Baumes Lärad. Aus ihrem Euter fließt Met, der nie versiegt und die Einherier speist.
Sährimnir - Der ewige Eber
Der Eber Sährimnir wird jeden Tag in Walhalla geschlachtet und gekocht, um die Einherier zu speisen. Am nächsten Morgen ist er wieder lebendig.
Garm - Der Höllenhund
Garm bewacht den Eingang zu Hels Reich in der Gnipahöhle. Bei Ragnarök wird er gegen Tyr kämpfen, und beide werden einander erschlagen.
Symbolik
Die Tiere der nordischen Mythologie sind mehr als Begleiter - sie verkörpern Aspekte der Götter und kosmische Kräfte:
- Raben - Weisheit und Allwissenheit
- Wölfe - Krieg und Zerstörung, aber auch Treue
- Pferde - Reise zwischen den Welten
- Eber - Fruchtbarkeit und Kampfkraft
- Schlangen - Chaos und das Fremde