Vidar der schweigsame Rächer im Wald

Vidar - Der schweigsame Gott

Vidar (altnordisch: Víðarr, "der weit Herrschende") ist ein Sohn Odins und der Riesin Gríðr. Er wird als der schweigsame Ase bezeichnet und ist nach Thor der stärkste der Götter. Seine wichtigste Rolle spielt er bei Ragnarök: Er wird den Wolf Fenrir töten und damit Odins Tod rächen.

Vidar gehört zu den wenigen Göttern, die Ragnarök überleben werden. Zusammen mit seinem Bruder Vali und Thors Söhnen wird er die neue Welt bevölkern, in der die alten Götter nur noch Erinnerung sind.

Vidars Wesen

Die Snorra Edda beschreibt Vidar als schweigsam und zurückhaltend:

"Vidar heißt der schweigsame Ase. Er hat einen dicken Schuh. Er ist stark, fast so stark wie Thor. Er ist den Göttern eine große Hilfe in allen Gefahren."

Sein Schweigen wird unterschiedlich gedeutet - als Weisheit, als Vorbereitung auf seine schicksalhafte Aufgabe, oder als Ausdruck einer älteren, ernsteren Gottheit.

Der Schuh

Vidars berühmtestes Attribut ist sein dicker Schuh. Dieser Schuh besteht aus allen Lederstücken, die Schuhmacher je weggeworfen haben - den Resten, die beim Zuschneiden von Sohlen und Schaft übrigbleiben.

Daher der alte Brauch: Wer den Göttern helfen will, soll Lederreste nicht fortwerfen, sondern sammeln. Jedes weggeworfene Stück macht Vidars Schuh stärker für den letzten Kampf.

Vidar bei Ragnarök

Bei Ragnarök erfüllt Vidar seine Bestimmung. Der Wolf Fenrir hat seinen Vater Odin verschlungen. Nun tritt Vidar vor:

  • Er setzt seinen gewaltigen Schuh in Fenrirs Unterkiefer
  • Mit einer Hand packt er den Oberkiefer des Wolfs
  • Er reißt Fenrir die Kiefer auseinander
  • Der Wolf stirbt - Odin ist gerächt

Andere Versionen berichten, Vidar habe Fenrir mit einem Schwert durchs Herz gestochen. In beiden Fällen ist er der Rächer seines Vaters.

Nach Ragnarök

Vidar gehört zu den Überlebenden der Götterdämmerung. In der neuen Welt, die aus dem Meer aufsteigt, wird er leben zusammen mit:

  • Vali - Sein Bruder, ebenfalls Sohn Odins
  • Modi und Magni - Thors Söhne, die Mjölnir erben
  • Baldur und Hödr - Die aus Hel Zurückgekehrten
  • Hoenir - Der Lose werfen wird

Diese überlebenden Götter werden die heiligen Stätten der alten Asen erben und in Frieden leben. Die goldenen Spielsteine, mit denen die Götter einst spielten, werden sie im Gras wiederfinden.

Vidars Wohnsitz

Vidar wohnt an einem Ort namens Víði ("Weite" oder "Wald"). Dieser Ort wird als üppig und grün beschrieben, voller hoher Gräser und junger Bäume. Dort lebt der schweigsame Gott, abseits vom Treiben der anderen Asen, und bereitet sich auf seine Aufgabe vor.

Deutung

Vidar verkörpert mehrere wichtige Konzepte:

  • Rache und Gerechtigkeit - Er rächt den Tod seines Vaters
  • Kontinuität - Er überlebt und trägt das Erbe der Götter weiter
  • Stille Stärke - Sein Schweigen ist keine Schwäche
  • Vorbereitung - Der Schuh zeigt, wie kleine Beiträge sich summieren

Vidar ist ein Gott der Hoffnung - selbst wenn die alten Götter fallen, wird einer überleben, um Gerechtigkeit zu üben und die Ordnung wiederherzustellen.