Walküren reiten durch den Sturm

Die Walküren - Botinnen des Schlachtentods

Die Walküren (altnordisch: Valkyrjur, "Wählerinnen der Gefallenen") sind die Schlachtenjungfrauen Odins in der nordischen Mythologie. Sie reiten über die Schlachtfelder und wählen jene Krieger aus, die im Kampf fallen sollen. Die Auserwählten - die Einherier - führen sie nach Walhalla, wo diese sich auf Ragnarök vorbereiten.

Das Bild der Walküre hat sich im Laufe der Zeit gewandelt: von furchteinflößenden Totendämonen zu edlen, schönen Kriegerinnen, die auch als Geliebte von Helden erscheinen. Beide Aspekte - der dämonische und der romantische - gehören zu ihrem Wesen.

Die Aufgaben der Walküren

Die Auswahl der Gefallenen

Die Hauptaufgabe der Walküren ist es, im Auftrag Odins zu entscheiden, wer im Kampf fallen wird. Sie reiten über das Schlachtfeld, unsichtbar für die Kämpfenden, und "küren" die Todgeweihten. Der Name selbst verrät diese Funktion: "valr" bedeutet "die auf dem Schlachtfeld Gefallenen", "kjósa" bedeutet "wählen".

Diese Wahl ist nicht willkürlich: Odin braucht die tapfersten Krieger für sein Heer in Walhalla. Bei Ragnarök werden die Einherier an der Seite der Götter gegen die Riesen kämpfen.

Das Geleiten nach Walhalla

Die auserwählten Krieger werden von den Walküren nach Walhalla geführt. Dort empfangen sie die Einherier mit Hörnern voller Met und bedienen sie bei den abendlichen Festmahlen. Tagsüber üben die Einherier den Kampf, abends heilen ihre Wunden, und sie feiern bis zum Morgengrauen.

Das Ausschenken des Mets

In Walhalla haben die Walküren eine weitere Rolle: Sie servieren den Met, das Getränk der Götter und Helden. Die Ziege Heidrun liefert den Met, der nie versiegt, und die Walküren schenken ihn aus.

Bekannte Walküren

Die Quellen nennen verschiedene Walküren-Namen. Die Snorra Edda und die eddischen Lieder überliefern unterschiedliche Listen:

  • Brynhildr (Brunhilde) - Die berühmteste Walküre, Heldin der Völsunga-Saga und des Nibelungenlieds
  • Skuld - Auch eine der Nornen, verbindet Schicksal und Schlachtentod
  • Hildr - "Kampf", sie lässt gefallene Krieger jede Nacht wieder auferstehen
  • Göndul - "Stabträgerin", möglicherweise mit magischen Stäben verbunden
  • Geirahöd - "Speerkampf"
  • Sigrún - "Siegesrune", Geliebte des Helden Helgi
  • Svava - Erscheint in der Helgi-Sage
  • Thrud - "Stärke", Tochter Thors

Die Namen der Walküren beziehen sich meist auf Kampf, Sieg oder Waffen - sie sind sprechende Namen, die ihr Wesen ausdrücken.

Walküren in der Heldensage

Brynhildr

Die Völsunga-Saga erzählt von Brynhildr (Brunhilde), einer Walküre, die Odins Willen missachtete. Sie gab dem falschen Krieger den Sieg - dem, der ihr gefiel, nicht dem, den Odin bestimmt hatte. Zur Strafe stach Odin sie mit einem Schlafdorn und umgab sie mit einer Flammenwand.

Der Held Sigurd durchritt das Feuer und erweckte sie. Sie liebten einander, doch durch Betrug wurde Brynhildr mit König Gunnar vermählt. Als sie die Wahrheit erfuhr, starb sie auf Sigurds Scheiterhaufen - eine tragische Geschichte von Liebe, Verrat und Tod.

Die Helgi-Lieder

Die Helgakviða-Lieder der Älteren Edda erzählen von den Walküren Sigrún und Svava, die sich in den Helden Helgi verlieben. Diese Geschichten zeigen die romantische Seite der Walküren - sie sind nicht nur Todesbotinnen, sondern auch Schutzmächte ihrer Geliebten.

Das Erscheinungsbild

Rüstung und Waffen

Die späteren Quellen beschreiben Walküren als bewaffnete Kriegerinnen: Sie tragen Helme und Brünnen (Kettenhemden), reiten Pferde und führen Speere. Von ihren Rüstungen geht ein Leuchten aus, das das Nordlicht erklären soll - "Walkürenschein".

Schwanenmädchen

Eine andere Tradition verbindet Walküren mit Schwänen. Sie besitzen Schwanenhemden, mit denen sie sich in Schwäne verwandeln können. Wenn ein Mann ihr Federkleid stiehlt, muss die Walküre bei ihm bleiben - ein Motiv, das sich in vielen Volksmärchen findet.

Pferde

Walküren reiten über Schlachtfelder und durch die Lüfte. Ihre Pferde lassen Tau und Hagel von ihren Mähnen fallen - so erklärt die Mythologie bestimmte Wetterphänomene. Die Verbindung von Walküren und Pferden ist eng, wie zahlreiche bildliche Darstellungen zeigen.

Walküren und Nornen

Die Grenze zwischen Walküren und Nornen ist nicht immer klar. Skuld erscheint in beiden Gruppen. Beide bestimmen Schicksale, beide weben oder spinnen, beide sind weibliche Mächte jenseits der Götter.

Das Darraðarljóð beschreibt Walküren, die vor der Schlacht bei Clontarf (1014) ein grausiges Gewebe weben - aus Eingeweiden, mit Schwertern als Webschiffchen, unter blutrotem Regen. Diese Szene verbindet Walküren-Funktion und Nornen-Symbolik.

Walküren bei Ragnarök

Bei Ragnarök werden die Walküren die Einherier zum letzten Kampf führen. Die Krieger, die sie über die Jahrhunderte gesammelt haben, werden an der Seite Odins gegen die Riesen und Fenrir kämpfen.

Über das Schicksal der Walküren selbst nach Ragnarök schweigen die Quellen. Wie die Nornen und andere mythische Wesen verschwinden sie mit der alten Welt.

Kulturelle Bedeutung

Die Walküren faszinieren bis heute:

  • Richard Wagner machte sie durch seine Oper "Die Walküre" weltbekannt. Der "Walkürenritt" ist eines der bekanntesten Stücke der Operngeschichte.
  • Bildende Kunst - Von mittelalterlichen Bildsteinen bis zur Romantik wurden Walküren häufig dargestellt.
  • Moderne Medien - In Filmen, Spielen und Büchern erscheinen Walküren als starke weibliche Kriegerinnen.

Die Verbindung von Kampf, Schönheit und übernatürlicher Macht macht die Walküren zu einer der faszinierendsten Figuren der nordischen Mythologie.