Die Externsteine im Teutoburger Wald

Die Externsteine - Felsheiligtum im Teutoburger Wald

Die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg in Nordrhein-Westfalen gehören zu den bekanntesten Naturdenkmälern Deutschlands. Die bis zu 40 Meter hohen Sandsteinfelsen erheben sich dramatisch aus dem Wald und ziehen seit Jahrhunderten Besucher, Forscher und spirituell Suchende an. Ihre Nutzung in vorchristlicher Zeit ist Gegenstand anhaltender Diskussionen.

Geologie und Erscheinungsbild

Die Externsteine bestehen aus 13 einzelnen Felsen aus Osning-Sandstein, der vor etwa 120 Millionen Jahren entstand. Die markante Form der Felsen ist das Ergebnis von Erosion und tektonischen Bewegungen, die das ursprünglich horizontal liegende Gestein aufrichteten.

Die Felsen ragen wie steinerne Türme aus dem Waldboden und spiegeln sich im künstlich angelegten Teich davor. Treppen und Brücken ermöglichen heute den Zugang zu den verschiedenen Ebenen und Höhlen.

Historische Bedeutung

Vorgeschichtliche Nutzung

Archäologische Funde belegen menschliche Anwesenheit seit der Altsteinzeit. Allerdings ist die genaue Art der Nutzung umstritten:

  • Spuren aus dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit) sind nachgewiesen
  • Funde aus der Bronze- und Eisenzeit wurden gemacht
  • Eine systematische kultische Nutzung ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt

Mittelalterliche Nutzung

Sicher belegt ist die Nutzung der Externsteine im Mittelalter:

  • Das Kreuzabnahmerelief - Ein monumentales Steinrelief aus dem 12. Jahrhundert zeigt die Kreuzabnahme Christi
  • Die Höhenkammer - Eine in den Felsen gehauene Kapelle mit Altar und rundem Fenster
  • Einsiedlerzellen - Spuren von Eremiten, die hier lebten

Die Abtei Paderborn nutzte die Felsen als christliche Kultstätte und Wallfahrtsort.

Die Irminsul-Theorie

Die These

Eine populäre Theorie besagt, dass die Externsteine der Standort der Irminsul waren - des heiligen Baumes oder der Säule der Sachsen, die Karl der Große 772 zerstören ließ. Diese Theorie wurde besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert vertreten.

Wissenschaftliche Einschätzung

Die moderne Forschung betrachtet diese Theorie kritisch:

  • Es gibt keine schriftlichen Quellen, die die Externsteine mit der Irminsul verbinden
  • Die Irminsul wird in den Quellen beim Eresburg (Obermarsberg) lokalisiert
  • Archäologische Beweise für ein sächsisches Heiligtum fehlen

Das Kreuzabnahmerelief

Das bedeutendste Kunstwerk an den Externsteinen ist das monumentale Kreuzabnahmerelief, das um 1130 entstanden sein dürfte. Es zeigt:

  • Die Kreuzabnahme Christi mit Nikodemus und Josef von Arimathäa
  • Sonne und Mond als Trauernde
  • Am unteren Rand eine gebeugte Figur, möglicherweise Adam oder eine Darstellung der überwundenen heidnischen Religion

Die kunsthistorische Bedeutung dieses Werkes ist unbestritten.

Die Höhenkammer

In den höchsten Felsen führt eine in den Stein gehauene Treppe zu einer Kammer. Diese besitzt:

  • Einen aus dem Felsen gehauenen Altar mit Nische
  • Ein rundes Fenster, das auf den Aufgangspunkt der Sonne zur Sommersonnenwende ausgerichtet ist
  • Eine Vertiefung im Boden, möglicherweise für ein Taufbecken

Ob diese Kammer ein umgewidmetes heidnisches Heiligtum oder eine rein christliche Schöpfung ist, bleibt umstritten.

Moderne Bedeutung

Tourismus

Die Externsteine sind heute ein beliebtes Ausflugsziel mit jährlich Hunderttausenden Besuchern. Ein Informationszentrum vermittelt die Geschichte des Ortes.

Spirituelle Nutzung

Besonders zur Sommersonnenwende versammeln sich Menschen verschiedener spiritueller Richtungen an den Externsteinen. Die Felsen haben eine Anziehungskraft auf:

  • Anhänger neuheidnischer Bewegungen
  • Esoterisch Interessierte
  • Menschen, die den Ort als „Kraftort" empfinden

Wissenschaftliche Forschung

Die Externsteine sind weiterhin Gegenstand archäologischer und historischer Forschung. Die Fragen nach ihrer vorchristlichen Bedeutung sind noch nicht abschließend beantwortet.

Besuch

Die Externsteine sind ganzjährig zugänglich. Der Aufstieg auf die Felsen ist gegen eine geringe Gebühr möglich. Der Ort liegt im Naturpark Teutoburger Wald und eignet sich für Wanderungen in der Umgebung.