Hände beim Runenschnitzen

Runensteine selber machen

Wer Runensteine selber machen möchte, schafft sich ein persönliches Werkzeug für die Runenbefragung. Selbst hergestellte Runen tragen die eigene Energie und die Zeit der Anfertigung in sich - eine Verbindung, die gekaufte Sets nicht bieten können.

Materialwahl

Verschiedene Materialien eignen sich für Runensteine, jedes mit eigenen Eigenschaften:

Holz

Das traditionellste Material. Die Germanen ritzten Runen oft in Holzstäbe. Geeignete Holzarten:

  • Eiche: Stark, langlebig, mit Thor verbunden
  • Esche: Yggdrasil war eine Esche - kosmische Verbindung
  • Buche: Das Wort "Buchstabe" stammt von der Buche
  • Birke: Symbol für Neuanfang (Rune Berkano)
  • Apfel: Verbindung zu Idunn und den Äpfeln der Jugend

Stein

Flache Kiesel oder Flusskiesel eignen sich gut. Der Stein sollte glatt genug sein, um darauf zu malen oder zu ritzen, aber nicht zu poliert. Natürliche Steine aus der Umgebung schaffen eine Verbindung zum Land.

Ton oder Fimo

Lufttrocknender Ton oder Modelliermasse wie Fimo erlaubt es, die Runen einzuprägen und die Steine farblich zu gestalten. Gut für Einsteiger geeignet.

Knochen oder Horn

Traditionell wurden auch Knochen und Hirschhorn verwendet. Ethisch vertretbar sind Knochen vom Metzger oder abgeworfene Geweihe.

Anleitung: Holzrunen herstellen

Benötigte Materialien

  • Ast oder Holzscheiben (ca. 3-4 cm Durchmesser)
  • Säge
  • Schleifpapier (verschiedene Körnungen)
  • Brennstift oder Schnitzmesser
  • Leinöl oder Bienenwachs zur Versiegelung
  • Optional: rote Farbe (traditionell Ocker oder Blut)

Schritt 1: Holz vorbereiten

Einen Ast von etwa 3-4 cm Durchmesser wählen. Das Holz sollte gut getrocknet sein, um späteres Reißen zu vermeiden. Den Ast in 24 Scheiben von ca. 5-8 mm Dicke sägen.

Schritt 2: Schleifen

Jede Scheibe glätten, beginnend mit grobem Schleifpapier (80er Körnung), dann feiner werden (bis 240er). Die Oberfläche soll glatt sein, aber natürliche Holzmaserung behalten.

Schritt 3: Runen aufbringen

Die 24 Runen des Futhark auf die Scheiben übertragen. Methoden:

  • Brennstift: Die sauberste Methode, dunkle Linien
  • Ritzen mit Messer: Traditionell, erfordert Übung
  • Malen: Einfach, aber weniger haltbar

Schritt 4: Färben (optional)

Traditionell wurden die eingeritzten Runen rot gefärbt. Heute kann man verwenden:

  • Rote Acrylfarbe
  • Natürlicher Ocker
  • Symbolisch: einige Tropfen eigenes Blut (nur für Fortgeschrittene, die dies als spirituellen Akt verstehen)

Schritt 5: Versiegeln

Zum Schutz und für angenehme Haptik die fertigen Runen mit Leinöl oder Bienenwachs einreiben. Mehrere dünne Schichten auftragen, dazwischen trocknen lassen.

Anleitung: Steinrunen herstellen

Steine sammeln

24 ähnlich große, flache Steine sammeln. Ideal sind Flusskiesel mit einer glatten Seite. Alle Steine sollten gut in der Hand liegen und ähnliche Größe haben.

Vorbereitung

Die Steine gründlich waschen und trocknen lassen. Manche reinigen sie auch energetisch, indem sie sie über Nacht in Salzwasser legen oder im Mondlicht liegen lassen.

Bemalen

Mit einem feinen Pinsel und Acrylfarbe oder einem Lackstift die Runen auftragen. Weiß oder Gold auf dunklen Steinen, Rot oder Schwarz auf hellen Steinen. Nach dem Trocknen mit Klarlack fixieren.

Rituelle Weihe

Viele Runenkundige weihen ihre neu hergestellten Runen in einem Ritual:

Einfache Weihe

  1. Einen ruhigen Moment und Ort wählen
  2. Die Runen vor sich ausbreiten
  3. Jede Rune einzeln in die Hand nehmen und ihren Namen sprechen
  4. Die Bedeutung meditieren
  5. Um Unterstützung bei der Arbeit mit den Runen bitten

Ausführliche Weihe

Manche verbinden die Weihe mit dem Runenlied aus der Edda oder rufen Odin als Runenmeister an. Die Gestaltung ist individuell - wichtig ist die aufrichtige Intention.

Aufbewahrung

Selbst hergestellte Runen verdienen eine würdige Aufbewahrung:

  • Beutel: Ein Lederbeutel oder Stoffbeutel schützt die Runen und macht sie tragbar
  • Holzbox: Eine kleine Holzkiste, vielleicht selbst geschnitzt oder verziert
  • Tuch: Ein spezielles Tuch, in das die Runen eingewickelt werden

Die Runen sollten an einem geschützten Ort aufbewahrt werden, nicht für jedermann zugänglich. Dies ist keine Geheimhaltung, sondern Respekt vor dem Werkzeug.

Der 25. Stein

Manche Runensets enthalten einen leeren "Odin-Stein" oder "Wyrd-Stein". Dies ist eine moderne Erfindung aus dem 20. Jahrhundert und kein Teil des traditionellen Futhark. Die Entscheidung, ob man diesen hinzufügen möchte, ist jedem selbst überlassen.

Tipp

Die Zeit während der Herstellung ist Teil des Prozesses. Arbeite langsam und achtsam. Viele berichten, dass sie schon während des Herstellens eine Beziehung zu den Runen aufbauen, die ihre spätere Deutung vertieft.